Wenn Waldshut in den Fluten versinkt

Waldshut-Tiengen. Mit Blaulicht schlängelten sich über zwanzig Fahrzeuge der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ihren Weg durch Waldshut. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte aus dem gesamten DLRG Landesverband Baden trainierten das gesamte Wochenende für einen möglichen Katastropheneinsatz. Ob auf dem Rettungsboot, als Einsatztaucher unter Wasser oder als Strömungsretter in den reißenden Wellen mussten sich die Wasserretter in den verschiedensten Einsatzsituationen bewahren.

Hysterisch schreiend kam eine offensichtlich in Panik geratene Frau auf den Zugführer zugestürmt. "Mein Mann, mein Mann", flehte sie den Wasserretter um Hilfe an. Als Zugführer musste er sich zuerst einen Eindruck von dem gespielten Szenario verschaffen: Mehrere zum Teil schwerstverletzte Personen saßen und lagen in einem kleinen, vom Hochwasser bedrohten, Areal. Zeitgleich mit ihm traf auch ein leitender Notarzt ein, der die medizinische Leitung bei dieser Übung übernahm. Gemeinsam sichteten sie Patienten und Betroffene, legten eine Behandlungs- und Transportreihenfolge fest und teilten die nachfolgenden Wasserretter ein. Mehrere Patienten, die nicht mehr gehen konnten, wurden auf speziellen Tragen für die Wasserrettung, sogenannte Spineboards, auf die Boote getragen und anschließend an einen sicheren Ort gebracht.

Parallel dazu sicherten einige Kilometer Strom abwärts Taucher einen durchweichten Deich. Hierzu  rollten Sie an der Wasserseite eine zehn Meter lange Folie aus. Unter Wasser beschwerten die Einsatztaucher die Ränder der Folie mit Sandsäcken. Eine körperlich anstrengende Arbeit für die im Wasser eingesetzten Kräfte, die nicht nur gegen die Folie sondern auch gegen die Strömung des Rheins kämpfen mussten. Alle DLRG-Einsatzkräfte die sich in Baden-Württemberg im Wasserrettungsdienst und Katastrophenschutz engagieren tun dies ehrenamtlich. Ebenso wie die achtundzwanzig jährige Einsatztaucherin Verena Grägel aus St. Leon. Nach knapp zweijähriger Ausbildung legte sie 2006 ihre Prüfung zur Einsatztaucherin ab. "Wir hatten relativ gute Sicht unter Wasser, wegen der Strömung musste ich mit deutlich mehr Bleigewichten tauchen als sonst," beschreibt sie ihre Eindrücke.
Nicht nur ihre Zeit investieren die baden-württembergischen Lebensretter: "Der Katastrophenschutz der DLRG wird fast ausschließlich aus eigenen Mitteln der Ortsgruppen finanziert", berichtet Heinz Seib, Leiter Einsatz des DLRG Landesverband Baden. "Aufgrund der schlechten finanziellen Situation unserer Ortsgruppen müssen wir an vielen Stellen improvisieren und sind auf veraltete Technik angewiesen", beschreibt Seib die Misere der Wasserretter.

Zum Abschluss der dreitägigen Übung bewiesen die Strömungsretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ihr Können an einem Seitenarm des Rheins. Ein älteres Ehepaar wurde bei einer Wanderung in den Rheinauen vom Hochwasser eingeschlossen. Durch die starke Strömung und die geringe Wassertiefe scheiden die 'herkömmlichen' Rettungstechniken mit Rettungsboot oder Taucher aus. Ein Trupp Strömungsretter schwimmt auf die andere Seite und versorgt die Eingeschlossenen vor Ort. Zur Rettung bauen die übrigen Strömungsretter eine Seilfähre auf: Hierbei wird ein Schlauchboot, an einer Querleine gesichert und durch die Strömung gezogen. Dies ermöglicht eine schnelle und schonende Rettung der Personen. Die DLRG ist derzeit die einzige Hilfsorganisation in Baden-Württemberg die Spezialisten für stark strömende Gewässer bereit hält.

Nach der dreitägigen Übung zieht der Übungsleiter Heinz Seib eine positive Bilanz. Er lobte das große Engagement der ehrenamtlichen Helfer und ihre Bereitschaft sich in den Dienst der Allgemein zu stellen.